St.-Ulrichs-Kirche

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Die St. Ulrichs-Kirche in Rastede ist inzwischen fast 1000 Jahre alt. 1059 wurde sie von einem der frühesten historisch greifbaren Grafen von Oldenburg gestiftet, noch 31 Jahre vor dem bedeutenden Benediktinerkloster, das auf dem benachbarten Schlossgelände lag.

Ursprünglich dürfte die Kirche ausschließlich aus Granitquadern und Findlingen bestanden haben. Mit der Zeit wurde sie jedoch mehrfach erweitert, umgebaut und ausgebessert, so dass heute vor allem der Backstein den Bau prägt. Dies gilt insbesondere für den Turm, der im Laufe seiner Geschichte mehrmals eingestürzt war.

Südwestlich vor der Kirche wurde im 15. Jh. der freistehende Torturm mit Treppengiebeln errichtet, in dem drei Glocken 1498, 1522 und 1992 hängen. Übrigens hat man im äußertsen Nordwesten Deutschlands gerne den Glockenturm etwas abseits des Hauptgebäudes erstellt, im Ammerland z. B. in Bad Zwischenahn oder Edewecht. Die alten Baumeister verhindert damit, zu, dass bei oftmals nicht ganz standsicherem Untergrund der Glockenschlag die Stabilität des gesamten Kirchenbaus beeinträchtigte.

Den Zutritt zur St.-Ulrichs-Kirche erlangt man heute durch den Turmraum. Darin befindet sich der Deckel des Sarkophags von Graf Moritz II. von Oldenburg. Er starb 1420 und wurde als besonderer Freund des Rasteder Klosters auch in der hiesigen Klosterkirche begraben. Nach deren Abriss wurde die Grabplatte 1757 in die Krypta der St. Ulrichs-Kirche überführt. Seit 1959 steht sie am jetzigen Standort. Auffällig ist die Ähnlichkeit der Sandsteinfigur des Grafen mit dem Bremer Roland. Vermutlich stammen sie beide aus der gleichen Werkstatt.

Die ursprüngliche flache Balkendecke des Gotteshauses wurde im späten Mittelalter mit einem Gewölbe versehen, was sich jedoch als statisch riskant erwies. 1696 stürzte die Decke ein, wobei unter anderem die von Graf Anton Günther gestiftete Münstermann-Kanzel von 1612 arg in Mitleidenschaft gezogen wurde. Der Altar, geschaffen von der Künstlerin Lucretia de Saint Simon, stammt aus dem Jahr 1636, was verwunderlich ist, denn zu dieser Zeit tobte in Deutschland der 30jährige Krieg. Hier zeigt sich jedoch der relative Wohlstand, den die Friedenspolitik Anton Günthers mit sich gebracht hatte. Oldenburg war eines der wenigen Gebiete in Deutschland geblieben, das nicht durch die Kriegsgeißel wirtschaftlich ruiniert worden war.

Das älteste Ausstattungsstück der Kirche ist der romanische Taufstein von 1250. Er ist vermutlich in einer ostfriesischen Werkstatt aus Bamberger Sandstein herausgehauen und modelliert worden.

Eine echte Besonderheit befindet sich unterhalb der St.-Ulrichs-Kirche, sie hat nämlich eine Krypta, was man sonst nur bei den größten und bedeutendsten Kirchen der Region kennt, wie z. B. in Bremen oder Hildesheim. Sie stammt aus dem frühen 11. Jhd. Und war als Unterkirche für das gräfliche Stifterpaar erbaut worden. Säulen mit Würfelkapitellen tragen das alte Kreuzgratgewölbe aus Feldsteinen. Während die Kapitelle und die Säulenbasen aus Sandstein gehauen wurden, bestehen die Säulenschäfte aus Gipsstuck, einem schon im Mittelalter vielfach verwendeten Werkstoff. Dieser unterirdische Raum, der bis 1762 Eigentum der Landesherrschaft war, diente ihr über Jahrhunderte als private Betkapelle. Erst im 18. Jh. wurden hier Bestattungen durchgeführt. Insbesondere der große Sandsteinsarkophag der Prinzessin Sophie Eleonore von Schleswig-Holstein-Beck, die 43 Jahre lang auf Schloss Rastede gelebt und in der Krypta bestattet wurde, ist hier zu bewundern.

 

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