Schutzhütte Freudeneck

Der Waldmeister-Buchen-Wald: Lebendiger Urwald, bunt & wild

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Eine jahrhundertelange naturnahe Forstbewirtschaftung hat uns hier am Freudeneck einen Lebensraum erhalten, der als Waldmeister-Buchenwald so manchen Schatz birgt. Die mächtigen Rotbuchen bilden mit ihren Kronen ein so dichtes Dach aus, dass man den Eindruck hat, sich in einer großen Halle zu befinden, die von den Stämmen der Bäume wie von Säulen getragen wird. Der Boden der Halle ist von Buschwindröschen, Schlüsselblumen, Aronstab und anderen, insbesondere aber vom Waldmeister bedeckt, der hier seinem Namen alle Ehre macht. Alle diese Pflanzen haben etwas gemeinsam, nämlich den Drang, schon früh im Jahr die schützende Laubschicht zu durchdringen und sich dem Licht entgegenzurecken. Als Frühblüher nutzten sie die Zeit, in der sie viel Sonnenlicht abbekommen, bevor die Bäume sie im Sommer mit ihrem Laub beschatten. Im Mai hat der Waldmeister seine Blütezeit, dann präsentiert er sich wie ein ausgebreiteter weiß-grüner Teppich, dazu duftet es frisch-betörend, denn sein Gehalt an dem Duftstoff Cumarin ist zu dieser Zeit am höchsten.

Aber noch andere Schönheiten zieren hier den Wald. So wachsen in diesem Lebensraum verschiedene Orchideenarten, insbesondere an wärmebegünstigten Standorten.

Darüber hinaus tummeln sich hier noch eine ganze Reihe weiterer Bewohner:  Besonders in den Morgenstunden begrüßt eine Vielzahl von Singvögeln den neuen Tag. Dazwischen erklingt das Klopfen eines Bunt- oder Schwarzspechts. In der Abenddämmerung fliegt auch mal ein Uhu durch den Wald. Er lebt nördlich der Wiesen im hohen Buchenwald.

Ganz in der Nähe der Schutzhütte hat eine Fledermausfamilie in einer Rotbuche ihr kuscheliges Heim. Das Nest ist leicht zu finden. Von der Naturparkkarte mit dem Wegeplan aus geht es wenige Schritte nach Süden und dann rechts etwa 40 Schritte in den Waldweg hinein. Die sechste Rotbuche zur Linken misst etwa 40 cm Durchmesser. Ein dunkler Streifen läuft senkrecht an der Schattenseite des Stammes entlang. Etwa drei Meter über dem Waldboden ist ein Loch im Stamm zu finden, aus dem es zu „bluten“ scheint. Die Erklärung dafür ist ganz einfach: Familie Fledermaus achtet akkurat darauf, dass jeder sein Geschäft nach hinten raus, also aus dem Nest heraus macht.

Der große behauene Sandstein vor der Naturpark-Karte ist das Relikt einer Bokemühle, die bis 1950 in Betrieb war. Mit ihr wurde Flachs zerschlagen und damit die Fasern von Holz und Rindenteilen gereinigt. Die Stampfer haben sieben Dellen im Stein hinterlassen, die sichtbar und auch fühlbar sind.

Werfen wir noch einen Blick auf die angrenzende Wiese mit den alten Obstbäumen. Westrup war im vergangenen Jahrhundert ein bedeutendes Obstdorf. Im Jahr 1950 wurden hier über 5.000 Apfel-, Birn-, Kirsch- und Zwetschenbäume gezählt. Am Waldrand und in der Nähe der Bauernhöfe gibt es noch immer viele alte Streuobstwiesen. Doch nur auf dem ganz in der Nähe liegenden Obsthof Aping wird noch heute Obst im Haupterwerb angebaut.

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