Sagenhaftes Rastede

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Rastede ist im wahrsten Sinne des Wortes sagenhaft! Es wurden und werden über Rastede und sein Benediktinerkloster eine ganze Reihe von Sagen erzählt. Eine der bekanntesten und schönsten ist sicherlich folgende:

Als das Geschlecht derer von Oldenburg noch jung war, lebte einst ein Graf namens Huno. Er war ein frommer und rechtschaffener Mann, der sich mit aller Kraft Land und Leuten widmete. Darüber versäumte er es einmal zum Reichstag in Goslar bei Kaiser Heinrich IV. zu erscheinen. Solche, die ihm sein Ansehen neideten, verklagten ihn deshalb beim Kaiser, er plane Aufruhr gegen das Reich. Heinrich verurteilte ihn daraufhin zum Gottesurteil: Er müsse sich mit einem wilden Löwen im Zweikampf auf Leben und Tod messen. Huno und sein junger Sohn Friedrich begaben sich schweren Herzens an den Hof des Kaisers, um ihre Unschuld zu beweisen. Friedrich aber wollte seinen Vater keinesfalls gegen den Löwen kämpfen lassen, sondern übernahm selbst das schwere Los.

Vater und Sohn riefen Gott an und gelobten die Gründung eines reichen Klosters für die Jungfrau Maria, da hatte Friedrich eine Eingebung. Er ließ sich aus Stroh eine mannshohe Puppe anfertigen und sie gleich einem Menschen ankleiden und bewaffnen. Diese Puppe warf er dem Löwen vor, der sich auch sogleich auf sie stürzte. So konnte Friedrich dem Löwen den entscheidenden Streich versetzen, ohne selbst den tödlichen Hieben der Bestie ausgesetzt zu sein.

Der Kaiser umarmte den jugendlichen Sieger, der damit die Unschuld seines Hauses bewiesen hatte, schenkte ihm Ring und Gürtel und belehnte ihn mit großen Gütern des Reiches. Auch gab er den Oldenburgern ihr Wappen: rote Streifen auf goldenem Grund, die blutigen Spuren der Löwentatze auf Friedrichs goldenem Schild

Graf Huno war nun gewillt, sein Gelübde, das er zur Rettung seines Sohnes Friedrich geleistet hatte, zu erfüllen. Daher wollte er der Jungfrau Maria ein reiches Kloster stiften. Er wusste nur nicht recht, welcher Platz geeignet sei, die Gründung vorzunehmen. Um die Entscheidung der Jungfrau Maria selbst zu überlassen, ließ Huno einen Schwan fliegen. Wo der Vogel sich niederließe, sollte das Kloster seinen Ort finden. Der Vogel überflog dabei das nördliche Ammerland und schien eines der dort gelegenen Dörfer anzusteuern. Eine zeitlang kreiste er über der Ortschaft wie im Zweifel, ob er sich niederlassen solle oder nicht. Schließlich flog er jedoch weiter. Die Ortschaft erhielt aber ihren Namen von dieser Begebenheit, denn sie hieß fortan Twiefelstede, auf Hochdeutsch Zweifelstätte, was später zu Wiefelstede verkürzt wurde.

Der Schwan aber ließ sich endlich an der Stelle zur Rast nieder, wo heute das Schloss steht. Und von dieser Begebenheit erhielt der Ort seinen Namen „Rast-stede“.

 

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