Plassmannvilla

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Ja, na sowas! Wie heißt es so doch gleich: Ein schöner Rücken kann auch entzücken? Sehen Sie die ruhende Germania an der rechten Seite des Hauses? Ja, kucken Sie doch mal genau hin! Sehen Sie? Sie sehen nichts! Die Dame, die eigentlich in jeder anderen Darstellung eisenbewehrt und bis oben hin zugeknöpft erscheint, zeigt uns hier ihre blanke Kehrseite!

Naja, gut, zu ihrer Ehrenrettung muss man sagen, sie zeigt eigentlich nicht uns ihr Hinterteil, sondern dem damaligen Braker Rathaus, denn der Erbauer des Hauses, der Holzhändler Wilhelm Plassmann, war auf die Stadtverwaltung nicht sonderlich gut zu sprechen.  So ließ er denn seine Germania sinnbildlich den „Schwäbischen Gruß“ sagen, den auch Goethe dem Ritter Götz von Berlichingen in den Mund legte. Ja genau, der deftige mit dem „Sie können mich mal am…“ (Hüsteln)

Wilhelm Plassmann, dessen Initialen „WP“ Sie noch über dem Hauseingang gut erkennen können, verdiente sein Geld damit, dass er die Braker Schiffswerften mit Holz versorgte. Und an dieser schmucken Villa hier kann man heute noch sehen, dass dieses Geschäft ziemlich einträglich gewesen sein muss, was wiederum auch auf den florierenden Schiffsbau in Brake hinweist.

Plassmann hatte sich schon vorher in der Mitteldeichstraße ein hübsches Häuschen setzen lassen – das übrigens heute ebenfalls noch existiert und daran zu erkennen ist, dass im Giebel die gleichen Initialen angebracht sind wie auch hier.

Im Jahre 1907 ließ sich Plassmann hier, man möchte sagen, sein eigenes Denkmal setzen. Die Villa fiel allein schon aufgrund ihrer Größe auf. Dazu ragte sie mit ihrer feinen weißen Putzfassade aus dem gängigen Klinkerrot des damaligen Braker Stadtbildes vollkommen heraus. Nein, der gute Herr Plassmann war offenbar nicht von der bescheidensten Sorte!

Die Raumaufteilung war ganz auf Rang und Status des Hausherrn ausgerichtet: Im Erdgeschoss hielt Wilhelm Plassmann Hof. Hier empfing er auch Geschäftsfreunde, hier vollzog sich das gesellschaftliche Leben. Das Obergeschoss war dagegen den Privatgemächern der Herrschaften vorbehalten. Dienstboten hatten selbstverständlich einen separaten Eingang und schliefen in der Dachkammer. Wirtschaftsräume und Küche befanden sich im Souterrain.

Übrigens ist die Plassmannvilla nicht die einzige ihrer Art in Brake. Der Wohlstand, der über den Hafen nach Brake kam, machte es möglich.

Von innen können Sie die schmucke Villa übrigens nicht besichtigen, denn sie ist auch heute noch bewohnt.

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Dat is jo wat! Wenn man genau henkiekt  süht man an de rechte Siet von dat Huus  ´n Froonsminsch dat us den Achtersten todreiht. Man se meent nich us. Dat geiht mehr in de Richtung wo fröher dat Rathuus stahn hett und schall soveel heten, dat ehr de Lüe dor moal fix an´n Mors kleien köönt. Dat wull woll Wilhelm Plassmann dormit seggen as he dat Huus boht hett. He har dat nich so mit de Lüe vonne Stadt und hett dat so kunnig moakt. Plassmann weer Handelsmann und verdeente sein Geld mit Holtverkoop. To de Tiet, so um 1900 rum, woorn in Braak noch veele Schepen boat und mit den Holthandel leet sik good Geld verdeenen. Mit dat Huus hett sik Plassmann denn ´n lüttjet Denkmoal sett, dat weer so groot und mit de witten Wände so ganz anners as de meersten anner Hüüs. Een lüttjet Stück wieter har he vördem ok al Huus, man kann an beide Hüüs vondagen noch dat „WP“ sehn. Un in disse „Plassmannsche Villa“ hett he denn Hoff holen, boben weer dat private und unnen wuurn die Geschäfte maokt und noch wieter unnen leevte dat Huuspersonal, allens fein utnannerhooln. Vun disse grooten Hüüs givt dat noch ´n poar mehr und doar kann´n an sehn, dat to de Tiet ok al fokener Geld mit Schepen und den Haben  to verdeenen weer. Von binnen kann man dat Huus nich bekieken wiel dor ok nu noch Lüe in woahnt.

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