Ostseeblatt

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Ich muss da mal ein paar Sachen klarstellen.

Erstens mal: Ich bin ein Schweinswal und kein Delfin! Ein paar sehr entfernte Onkel und Tanten von mir sind Delfine – aber wenn ich Ihnen Fotos von denen zeige – die haben Schnäbel! Stellen Sie sich das mal vor! Wir Schweinswale haben keine Schnäbel. Wir können ja auch nicht fliegen. – Naja, Delfine können das auch nicht, aber versuchen tun sie’s dauernd. Springen dauernd aus dem Wasser. Wir Schweinswale tun das nicht. Oder nur selten. Wobei. Auftauchen sollte unsereins mindestens alle sechs Minuten. Sonst wird der Sauerstoff knapp.

Noch was: Es schadet überhaut nicht, dass wir nicht besonders gut sehen können. Wir orientieren uns über Geräusche. Das machen übrigens alle Wale, und sogar die Delfine. Echolokation nennt man das. Der Schall reicht unter Wasser sowieso viel weiter als das Licht. Aber da ist ja ein Radau neuerdings unter Wasser! Schiffsmotoren, Windkraftanlagen, Hafenarbeiten… Das soll ja früher ganz anders gewesen sein. Meine Ur-ur-ur-urgroßeltern… wir Schweinswale werden ja nicht so alt. Meistens so um die 10 Jahre… Aber je lauter das ist unter Wasser, desto schwerer das Leben… da findet ja kein Schwein mehr was zu essen, bei dem Lärm.

A propos Schwein: Wir sind weder so dick noch so dreckig, wie man den Schweinen nachsagt. Wobei: Nicht mal das soll ja wirklich stimmen. Wir heißen Schweinswale, weil der alte Aristoteles, ein griechischer Philosoph, einen meiner Urahnen untersucht haben soll, als von innen, und da hat der wohl gesehen, dass wir Wale von innen gar nicht so anders aussehen als andere Säugetiere… Schweine zum Beispiel… das haben wir jetzt davon. Ich habe auch Freunde unter meinesgleichen, die sich lieber Tümmler nennen lassen. Dabei wühlen wir manchmal auch im Boden, wie die Schweine. Nur halt im Meeresboden, nach Würmern. Ansonsten gibt’s Tintenfische, Krebse, Schnecken, kleine Fische… je mehr, je besser. Also, ich zum Beispiel wiege so um die 50 Kilo – das ist Normalgewicht – und futtere ungefähr fünf Kilo am Tag. Ich weiß nicht, wie Sie als Menschen das machen – bei uns ist ein Zehntel vom eigenen Gewicht üblich. Das bringt ordentlich Speck auf die Rippen! Darum waren wir früher sehr gefragt bei den Menschen. Jetzt gehen die uns ja mehr aus Versehen ans Leder: als Beifang beim Fischen, durch Gift im Wasser, Müll, Krach… Das Leben ist für uns gefährlicher denn je. Passen Sie bloß gut auf uns auf, ja?

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