Meller Balkon

Ein Blick vom Meller Balkon: Da liegt die Else!

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Der Höhenzug, den Sie  im Süden sehen, das ist der Teutoburger Wald. Und quer davor im Tal, da werden Sie staunen, da liegt die Else! Jetzt machen Sie sich aber bitte keine unnötigen Sorgen, denn es handelt sich nicht um eine Dame, die ins Stolpern geraten ist, sondern um einen Fluss, mit dem es eine besondere Bewandtnis hat. Die Else hat nämlich keine Quelle! Sie zweigt nicht weit von hier, bei Gesmold, von der Hase ab, um weiter östlich der Weser zuzufließen. So eine Flussgabelung nennt man „Bifurkation“ und sie kommt sehr selten vor!

Die Stadt, auf die wir von hier aus diesen schönen Blick werfen dürfen, ist natürlich Melle. Die Anhöhe, auf der wir uns hier befinden, gehört zu den Meller Bergen und sie wird von den Mellern „Kleft“ genannt.

Die Meller Berge haben eine Höhe von etwa 200m über dem Meeresspiegel und bestehen aus einem vor 200 Millionen Jahren entstandenen Gestein. Die Zeit, in der das Gestein entstanden ist, nennen die Fachleute „Keuper“. Dabei handelt es sich um einen leicht grünlich schimmernden „Schilfsandstein“, obwohl diese Bezeichnung eigentlich irreführend ist. Die Pflanzenfossilien, die sich in diesem Gestein finden, sind nämlich keineswegs Schilf, sondern Schachtelhalm, der allerdings zu Urzeiten 3m und höher werden konnte. Als Baumaterial wurde der Stein seit dem Mittelalter weithin geschätzt, so bestehen nicht nur Teile der alten Meller Kirche St. Matthäus, sondern auch der Turm der Katharinenkirche und das Rathaus in Osnabrück aus Meller Sandstein. Noch bis 1930 wurde der Stein in den Meller Bergen gebrochen. Er ist nämlich sehr verformungsresistent und nimmt nur wenig Wasser auf. Dadurch ist die Grundsubstanz der aus ihm errichteten Gebäude ausgesprochen zuverlässig, auch wenn nach Jahrhunderten schon einmal die Oberfläche abblättert.

Die Meller Berge sind dem weiter nördlich gelegenen Wiehengebirge vorgelagert. Ähnlich wie der Teutoburger Wald, den Sie im Süden sehen, zieht es sich als Kamm von Nordwest Richtung Südost. Der parallele Verlauf von Wiehengebirge und Teuto macht deutlich, dass sie einen gemeinsamen Ursprung haben: Durch die Verschiebung der Erdplatten entstehen in der vergleichsweise dünnen Erdoberfläche Störungen. Noch hier in Norddeutschland wirkt sich aus, dass seit etwa 90 Millionen Jahren die Afrikanische gegen die Eurasische Platte drückt. Dadurch haben sich einerseits die Alpen aufgefaltet, andererseits haben sich hier bei uns Gesteinsschichten gehoben und sind durch vulkanische Dynamik aus dem Erdinneren gekippt, so dass Gesteinsschichten, die einmal horizontal übereinander lagen, nun nahezu senkrecht nebeneinander stehen. So sind die Gesteine des Wiehengebirges jünger, je weiter man sich Richtung Norden bewegt. Vor vielen Millionen Jahren muss das Gebirgsland von Wiehengebirge und Teutoburger Wald noch um ein Erhebliches beeindruckender gewesen sein, denn mittlerweile hat die Erosion von Wind und Wasser dem Gebirge einiges zugesetzt, so dass heute nur noch die besonders festen und hartnäckigen Gesteinsformationen aus der Landschaft ragen. Aber wir wollen nicht undankbar sein. Trotz allem ergibt sich von hier aus noch immer ein sehr schöner Blick auf das Tal der Else und auf die Stadt Melle.

Mellevue, der schöne Blick, über den selbst ein Bundespräsident nicht meckern könnte.

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Willkommen auf „Mellevue“! Nein, Sie haben sich nicht verhört, trotzdem befinden Sie sich weder am Zweitsitz des Bundespräsidenten noch haben die Leute im Osnabrücker Land ein gesondertes Problem mit dem Französischen. Es geht vielmehr darum, dass Sie vom Meller Balkon aus einen besonders schönen Blick auf die Stadt Melle haben. Machen Sie sich also das kleine Wortspiel zu eigen und genießen Sie mit mir zusammen die „Melle-Vue“.

Wenn Sie auf die Stadt sehen, fällt der erste Blick sicherlich auf die beiden Kirchtürme, die dicht nebeneinander stehen. Der rechte von den beiden gehört zu St. Matthäus, der katholischen Kirche von Melle. Sie ist im wahrsten Sinne des Wortes uralt, denn ihre Wurzeln reichen zurück bis in eine Zeit, als das Sachsenland noch dem Heidentum anhing und um seine Unabhängigkeit gegenüber den Franken und ihrem Kaiser Karl kämpfte. Karl der Große hatte eine ganze Reihe von Bischofssitzen im Sachsenland gegründet, um dort seine Herrschaft und das Christentum zu verankern. Im Zuge dessen wurde im Jahr 780 das Bistum Osnabrück gegründet. Zwischen dem Teutoburger Wald und Friesland unterstanden insgesamt zehn Gaukirchen dem Bischof von Osnabrück. Daran lässt sich erschließen, für was für ein großes Umfeld er zuständig war. Dennoch trug das Konzept letztlich Früchte, und je mehr die Zahl der Christen zunahm, desto mehr nahm auch beständig die Zahl der Gotteshäuser zu. Die Gaukirche in Melle war eine dieser zehn „Urkirchen“ im Bistum Osnabrück, zuständig für den gesamten „Grönegau“ östlich von Osnabrück. Die Zeiten waren damals nicht allzu sicher; deswegen lagen ein Wirtschaftshof und die Meller Kirchburg direkt nebeneinander. Der Wirtschaftshof sorgte für die Versorgung, und der gemauerte Kirchturm bot Schutz und Lagerraum bei Gefahren. Er dient noch heute St. Matthäus als Glockenturm. Im Schatten dieser Kirche entstand im Laufe der Zeit eine aufstrebende Ortschaft, die im 15. Jhd. immerhin mit einem minderen Stadtrecht versehen wurde.

Dass ganz in der Nähe auch noch eine zweite Kirche, die Petrikirche, gebaut wurde, hängt mit der Reformation zusammen. Im Fürstbistum Osnabrück gab es nämlich der Reformation gegenüber zunächst keine einheitliche Linie, deshalb existierten hier lange Zeit das evangelische und das katholische Bekenntnis nebeneinander. Daher war es im Westfälischen Frieden von 1648, der nach 30 Jahren Krieg vor allem auch die konfessionellen Streitigkeiten in Deutschland beenden sollte, schwierig, eine für alle Beteiligten zufriedenstellende Lösung für Osnabrück zu finden. So erwirkte man die wahrhaft salomonische Lösung, dass im Bistum Osnabrück beide Konfessionen Existenzrecht hätten und dass der Fürstbischof  jeweils abwechselnd evangelisch und katholisch zu sein hätte. Auf dieser Grundlage wurde für die lutherische Mehrheit der Meller Bürger eine eigene Kirche gebaut. Die jetzige Petrikirche ist ein Neubau, der nach dem großen Stadtbrand von 1720 errichtet wurde.

Durch die Siedlungsverdichtung von hier oben nicht auszumachen, aber durch die Industriearchitektur vor Ort noch erkennbar, gab es noch einen dritten Siedlungskern der Stadt Melle, der aber erst entstand, als die Moderne Einzug hielt, nämlich um den Bahnhof herum nach der Erschließung Melles durch die Eisenbahn im Jahre 1855.

Die einzelnen Siedlungskerne sind heute längst zusammengewachsen und Melle ist ein modernes und lebendiges Mittelzentrum.

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