Luisenturm

Preußens Gloria – oder der Turm und seine Luise

Audio

Galerie

Lesen

Ja, ja, auch die Westfalen sind eine ganze Weile Preußen gewesen, und sie sind stolz auf diese Tradition: Preußen Münster, Borussia Dortmund - schon mal gehört, nicht wahr? Aber vielleicht ist man in Westfalen etwas schöngeistiger in Hinsicht auf das Preußentum als die Liebhaber von Pickelhaube und Stechschritt. Der Turm, auf dem Sie sich hier befinden, ist nach einer preußischen Königin benannt, einer hübschen wie couragierten Person, die es verstanden hat, dem Eroberer Napoleon auf ihre ganz eigene Weise zu begegnen. Außerdem hat sie mit dem Liberalismus und der Idee des bürgerlichen Rechtsstaates sympathisiert. Wir sehen also, dass die Erbauer dieses Turmes, der 1893 zum ersten Mal eingeweiht wurde, eine durchaus würdige Namenswahl vorgenommen haben.

Übrigens befinden Sie sich nicht auf dem Originalbau aus dem 19. Jhd. Machen Sie sich also um die Standfestigkeit des Turmes keine Sorgen. Sie stehen auf dem inzwischen 4. Turm an Ort und Stelle, der aus dem Jahr 1991 stammt.

Obwohl ihre exponierte Lage vielleicht nicht auf den ersten Blick erkennbar ist, so liegt die Siedlung unterhalb des Turmes in einem Pass über den Gebirgszug des Teutoburger Waldes. Daher haben schon vor etwa 3500 Jahren Menschen diesen Ort als günstigen Siedlungsplatz erachtet. Kontinuierlich besiedelt ist der Ort wohl seit der Zeit der Sachsen und wurde zunächst als „Holthus“ bezeichnet, eine Siedlung - dem Namen nach offenbar - aus Holzhäusern. Wegen seiner Nähe zur Burg Ravensberg, deren Bergfried Sie auf der letzten Anhöhe des Teutos über der Münsterschen Tiefebene erkennen können, wurde der Ort seit dem 14. Jhd. jedoch „Borg“-Holzhausen genannt – und so ist er heute auf jeder Karte verzeichnet.

Ganz in der Nähe des Aussichtsturms haben wir übrigens noch eine ganz andere Hinterlassenschaft aus alter Zeit. Es ist eine Kalksteinhöhle, deren Gangsystem einer alten Sage nach bis nach Osnabrück oder sogar bis nach Minden führen soll. Da man sich von einem Eremiten erzählt, der dort gelebt haben soll, wird diese Höhle im Volksmund „Pfaffenkammer“ genannt. Dieser Eremit führte hier sein gottgefälliges Leben, bis ein gefräßiger Riese des Weges kam und den frommen Mann als appetitlichen Happen missdeutete. Daraufhin nahm der Riese die Höhle selbst in Besitz und versetzte in der Folgezeit die Menschen der ganzen Umgebung in Angst und Schrecken. Das ging so lange, bis ein Ritter von der bei Melle gelegenen Diedrichsburg dem Ungeheuer mit dem Schwert schließlich den Garaus machte.

Eldorado - der verborgene Schatz im Teutoburger Wald

Audio

Lesen

Eldorado! Dieser Name sagt alles! Und das beste ist, viele wissen gar nichts davon! Dabei ist es doch so offensichtlich! Schauen Sie sich doch nur einmal um! Na? Sehen Sie´s? Nicht? Na gut, dann erzähle ich Ihnen etwas über dieses Eldorado – aber es muss unter uns bleiben, sonst will hier nachher jeder noch seinen Claim abstecken!

Also: Von Nordwest bis Südost zieht sich der Teutoburger Wald als Höhenzug quer durch die Landschaft. Hier auf der Johannisegge erhebt er sich ganze 291m über dem Meeresspiegel, daher haben wir diesen weiten Ausblick über das Münsterland im Südwesten und Westen. Ja, das Land dort ist so flach, dass man bequem in den Sonnenuntergang reiten kann.

Genau südlich von hier haben wir den Ort Borgholzhausen. Er liegt in einem Pass über den Teutoburger Wald – und dieser Pass ist etwas Besonderes. Er ist nämlich nicht durch die Ausspülung eines Flusses entstanden oder durch Erosion, nein: Hier haben wir Spuren der Eiszeit vor uns! Der Teutoburger Wald lag quer zum vorrückenden Eis und bildete auf diese Weise eine Barriere, die der Gletscher nur an den niedrigsten Stellen überwinden konnte. So schleiften Eis und Wasser eine breite Rinne in den Gebirgszug, die noch heute zu sehen ist. Aber das ist noch nicht alles. Weiter links davon haben wir das Ravensberger Hügelland, hinter dem wir bei gutem Wetter noch die Züge des Wiehengebirges erkennen können, dem nördlichsten aller Mittelgebirgskämme. Und jetzt gehen wir einmal ganz weit in der Zeit zurück. Nein, nicht nur ein paar hundert oder tausend Jahre. Es sind Millionen von Jahren, um die hundertmillionen Jahre! Sie werden´s nicht glauben, aber damals war das Ganze hier ein Meer mit einer Küstenlinie vielleicht fünfzig Meilen südlich von hier, etwa in Höhe des Sauerlandes. Und in diesem Meer lebten Tiere mit Kalkschalen in allen möglichen Größen von mikrobisch bis riesig. Ja, besuchen Sie in Borgholzhausen mal das ErdZeitMuseum, da werden Sie staunen! Dort sehen Sie versteinerte Ammoniten, eine Art Tintenfisch mit einem schneckenartigen Gehäuse, die genauso groß sind wie Sie von Kopf bis Fuß!

Über viele Jahrmillionen lebten und starben diese Tiere im Meer und hinterließen eine immer dicker werdende Schicht Kalk, die langsam unter dem Druck ihres eigenen Gewichtes versteinerte. Weil aber die Afrikanische Erdplatte gegen die Eurasische driftet, entsteht ein ungeheurer Druck, der die flach liegenden Gesteinsschichten aufwellt, als wenn Sie mit dem Fuß einen Teppich dazu bringen, Wellen zu schlagen. Die mächtigste Erhebung, die daraus entstanden ist, sind natürlich die Alpen, aber auch noch hier hat sich dieser Druck ausgewirkt: Das flache Münsterland ist die Talsohle der Welle, der Teutoburger Wald und das Wiehengebirge aber sind die Wellenspitzen. Daher kommt es, dass wir hier direkt an der Oberfläche besonders interessante und fossilienreiche Gesteinsschichten haben, die eigentlich weit unter der Erde sein müssten: also ein echtes Eldorado für Geologen und Fossilienliebhaber!

Karte