Hermannsturm

Der höchste Aussichtspunkt der Region - auf Sand gebaut?

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Hallo! Sie! Ja, Sie! Wir sind hier ganz oben! Und gleich unter uns liegt die Costa del Dinosaurio!
Aber vielleicht doch lieber alles der Reihe nach:
Wenn wir in Osnabrück trotz Kalkriese schon kein Hermannsdenkmal haben, dann doch wenigstens einen Hermannsturm, und auf diesem befinden wir uns gerade. Dieser Turm wiederum steht auf der höchsten Erhebung des ganzen Osnabrücker Landes, dem Dörenberg mit stolzen 331m Höhe über dem Meeresspiegel. Daher sind wir, was die gesamte Umgebung angeht, tatsächlich ganz oben!
Nach Nordwesten hin, in der Richtung, wo in kurzer Entfernung die beiden Funkmasten stehen und wo Sie in der Ferne vielleicht auch das Kohlekraftwerk von Ibbenbüren ausmachen können, befindet sich noch eine Reihe anderer Kuppen, die alle, wie der Dörenberg, zum Iburger Wald gehören, einem der nördlichen Kämme des Teutoburger Waldes. Apropros Wald: Alle Bäume, die Sie hier sehen, wurzeln in allerfeinstem Strandsand!
Erstaunlich, nicht wahr? Gut, zugegeben, der Strand ist schon ein bisschen älter, sagen wir 120 Millionen Jahre. In der unteren Kreidezeit, mündeten hier gewaltige Flüsse in das urzeitliche Meer und luden über Jahrtausende riesige Mengen Sand ab. Wurde unser Turm also auf Sand gebaut? Nein, keine Angst – der Sand hatte ja die besagten 120 Millionen Jahre Zeit, zu festem Stein zu werden. Gönnen Sie sich beim Abstieg vom Berg aber einmal den Spaß und machen sich bewusst, dass die Sandsteine in den Wegeböschungen Stücke eines Strandes sind, auf dem sich schon der eine oder andere Dinosaurier gesonnt hat. Unser Teutoburger Wald war also eine Costa del Dinosaurio!
Wenn hier aber einmal Strand gewesen ist, wo ist dann das Meer geblieben? Zumindest auf dessen Spuren stoßen wir noch, und zwar in den Kalksteinschichten, die den gesamten Südkamm des Teutoburger Waldes bilden. Als schlagender Beweis lassen sich nämlich dort vielerorts Muschelschalen im Sedimentgestein finden.
Übrigens lässt sich diese Costa del Dinosaurio auch wunderbar erwandern, z.B. mit dem „Ahornweg“, einem weitläufigen Rundwanderweg oder mit dem Hermannsweg, einem der bekanntesten Fernwanderwege Deutschlands, der in Rheine beginnt und dem Kamm des Teutoburger Waldes bis ins Lippische hinein folgt.

Verrat im Bennoturm - Wiedertäufer spioniert für den Bischof

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Das Osnabrücker Land ist eine reiche Natur- wie Kulturlandschaft, in der gearbeitet und gelebt wird. Zum Thema Arbeit schauen wir Richtung Norden. Hinter den Bäumen lugt die Stahlstadt Georgsmarienhütte hervor. Weiter nach links erkennen Sie in einiger Entfernung das Kohlekraftwerk Ibbenbüren, und das steht dort nicht von ungefähr, denn in den hiesigen Bergen gibt es nicht nur Eisen, sondern auch Kohle.
Aber wenn Sie sich nun um 180o drehen, dann gerät auch unser zweites Thema in Ihr Blickfeld, nämlich Leben und Gesundheit. Dort befinden sich nämlich gleich zwei Kurbäder.
Richtung Südosten liegt in einiger Entfernung zu Füßen des Teutoburger Waldes Bad Laer mit seinen gesunden Salzquellen.
Etwas weiter nach rechts und ein gutes Stück näher ist als langgezogener Bau das Iburger Schloss zu erkennen mit der Ortschaft Bad Iburg, die als Kneipp-Kurort bekannt ist.
Das Iburger Schloss hat eine illustre Geschichte. Der Osnabrücker Bischof Benno II. nahm hier in der zweiten Hälfte des 11. Jhds. seine Residenz und gründete dazu als Teil der Anlage ein Benediktinerkloster, dessen Baumaterial von einem Steinbruch hier am Dörenberg stammte. Sie dürfen raten, wie dieser Steinbruch heißt: Natürlich Benno-Steinbruch. Und wenn Sie nun den achteckigen, mittig gelegenen Turm der Schlossanlage in Augenschein nehmen, raten wir noch einmal. Wie wird dieser Turm wohl genannt? Richtig! Bennoturm! Er ziert übrigens das Wappen des Osnabrücker Landkreises.
Und: Um diesen Turm rankt sich eine echte Moritat: (Erzählerstimme)
„Im Jahre des Herrn 1534 errangen die Wiedertäufer in Münster die Macht. Von dort schickten sie sechs Männer als Apostel ihres Glaubens nach Osnabrück, wo sie jedoch festgenommen und nach Schloss Iburg verbracht wurden. Im Keller des Bennoturmes hat man sie aufs peinlichste befragt, was einer der Delinquenten schier nicht überlebte. Der sechste aber bot sich, um der Folter zu entgehen, als Verräter an und spähte hernach die Pläne seiner Glaubensbrüder für den Bischof aus. Nachdem die Wiedertäufer aber besiegt worden waren, wurde in Münster furchtbar Gericht gehalten…“
Wie so Vieles andere auch nahm Schloss Iburg im 30jährigen Krieg erheblichen Schaden, so dass man es danach weiten teils neu errichten musste.
Anfang des 19. Jh. wurde Osnabrück Hannover angegliedert und das Kloster aufgelöst. Seitdem dient das Schloss unterschiedlichen staatlichen Stellen als Unterkunft. Führungen durch das Schloss können übrigens über die Tourist-Information in Bad Iburg gebucht werden.

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