Klosterkirche

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St. Johannes in Kloster Oesede ist aufgrund seiner Geschichte und Ausstattung eine der interessantesten Kirchenbauten des nordwestdeutschen Raumes.
Ein Vorgängerbau hatte hier schon seit dem 10. Jhd. in direkter Nachbarschaft zur Burg Oesede gestanden. Die einschiffige Kreuzkirche, die uns heute vor Augen tritt, gehörte zu dem Kloster, das im 12. Jahrhundert von Graf Ludolf von Oesede und seiner Frau Thedela gegründet wurde. Diese Stiftung hatte wohl weniger mit Frömmigkeit zu tun als mit der Sorge um die beiden Töchter, die nicht verheiratet waren. Zu ihrer Absicherung stellte der Graf seine Stammburg zur Verfügung, deren Gebäude in der Folgezeit von den Klosterfrauen bewohnt wurden. Die ältere der beiden Töchter Goda, die ohnehin schon eine geistliche Laufbahn eingeschlagen hatte, wurde die erste Priorin des Klosters, ihre Schwester Regenwita die Küsterin.
Über viele Jahrhunderte hatte das Kloster Oesede in Nachfolge der Grafen die Grundherrschaft über die umliegenden Ländereien inne, um das Kloster selbst gruppierte sich das Klosterdorf.
1803 wurde auf Druck Napoleons die völlige Enteignung der geistlichen Territorien in Deutschland durchgesetzt, was vielen Klöstern ihre Lebensgrundlage entzog. Auch die Oeseder Nonnen mussten ihr Kloster verlassen, immerhin ausgestattet mit einer Pensionszahlung. Der Besitz der Abtei ging in Gänze an die Staatskasse. Das gesamte Klosterinventar wurde verkauft, nur das Kirchensilber und die liturgischen Geräte blieben bei St. Johannes, das zur Gemeindekirche von Kloster Oesede wurde.
Die alte Klosterkirche hat einiges an interessanter Innenausstattung zu bieten. Im rechten Querschiff findet sich die Grabplatte des gräflichen Stifterpaares, das gemeinsam ein Modell des Klosters in den Händen hält. Der Graf hat in seiner Linken zudem sein Wappenschild mit dem schreitenden Löwen.
Zum Inventar gehört auch das legendenumrankte Gnadenbild der Maria im Kindbett. Es soll 1225 dem Kloster von der heiligen Elisabeth von Thüringen aus Dank für die Erziehung ihrer Tochter geschenkt worden sein. Mittlerweile ist man sich aber sicher, dass das Bild mindestens 100 Jahre jünger ist.
Ein rotgrundiges Fresko aus dem 15. Jhd. an einem der Vierungspfeiler zeigt den heiligen Benedikt mit aufgeschlagener Klosterregel.
Bei Renovierungsarbeiten wurde Anfang der 1980er ein Hagioskop freigelegt, eine Wandöffnung meist in Kreuzform, insbesondere für Leprakranke, damit sie außerhalb der versammelten Gemeinde auf den Altar sehen und die Kommunion empfangen konnten. Nach dem Abflauen der Lepraepidemien im 16. Jhd. wurden die Hagioskope in der Regel zugemauert. So auch hier in St. Johannes.
Noch bis ins letzte Jahrhundert musste der Baubestand des Klosters einige Einbußen hinnehmen, z.B. das Äbtissinhaus und einen Verbindungsbau zwischen St. Johannes und dem Konvent, dem querstehenden Gebäudekomplex vom Ende des 18. Jahrhunderts. Auch ging noch einer der ursprünglich zwei Kirchtürme verloren. Dennoch ist mit St. Johannes ganz sicher das Herzstück des alten Klosters erhalten geblieben.

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