Kirschlehrpfad

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„Das gibt es doch nicht! Da kommen die Osnabrücker, und die wollen… Ja! Die wollen unsere Kirschen klauen! Das müssen wir verhindern! Aber wie? Das sind verdammt viele!...“

 

Im Sommer 1919 kamen die Osnabrücker mit einer großen und entschlossenen Abordnung nach Hagen und konfiszierten kurzerhand 60 Zentner Kirschen. Das Ganze war keineswegs rechtmäßig, doch die Osnabrücker ärgerte es einfach maßlos, dass die Hagener ihre Kirschen nicht mehr in ihre Stadt verkauften. Das hatte damit zu tun, dass nach dem Ersten Weltkrieg die Preisbindung für Lebensmittel aufgehoben worden war, aber die Osnabrücker nicht bereit waren, den - zugegeben – horrenden Preis für die Hagener Kirschen zu bezahlen. Daraufhin entschieden sich die Hagener dafür, lieber andere Städte und Gemeinden zu beliefern. Das wiederum wollten aber die Osnabrücker nicht zulassen. Deshalb statteten sie Hagen diesen unangenehmen Besuch ab. Als es im Sommer darauf in Osnabrück noch einmal zu Kravallen kam und man sich schon wieder anschickte, nach Hagen zu marschieren, ließ man sich nur von der Nachricht aufhalten, dass die Hagener sich inzwischen bewaffnet hätten – und man die Osnabrücker erwarte. Da ließ man einen zweiten Raubzug doch lieber sein.

Dass es um die Kirsche Kravall gibt, ist glücklicherweise die Ausnahme, zeigt aber wie begehrt die Hagener Frucht ist!

Bei uns wachsen über 300 verschiedene Süßkirsch-Sorten. Keine schmeckt davon genau wie die andere. Das heißt, bei uns kann man zum Kirschfeinschmecker werden, wenn man sich durch diese Vielfalt nascht!

Aber es gibt noch viel mehr zu entdecken: Wir können zum Beispiel mit Recht behaupten, regelrechte „Kirscharchäologen“ zu sein, hat man bei uns doch einige Sorten wiederentdeckt, die schon längst als ausgestorben galten.

Diese Erfolge beim Erhalt der Artenvielfalt haben dazu geführt, dass Hagen nach einem 2010 abgeschlossenen Modellvorhaben der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung zum offiziellen Erhaltungsstandort für Süßkirschsorten erklärt worden ist und in Kooperation mit der Deutschen Genbank Obst steht.

Daher fungiert Hagen seit vielen Jahren als „Kirschmuttergarten“. Von hier aus werden Reiser, also Triebe, die zur Veredelung von Obstbäumen benutzt werden, in die ganze Welt versandt. Das ist notwendig, wenn man eine ganz spezielle Sorte duplizieren möchte. Aus einem Kern wächst zwar auch ein Baum, aber eben nie die exakt gewünschte Sorte. Dies und vieles mehr erfahren Sie übrigens bei einer unserer Kirschlehrpfad-Führungen.

Auch erfahren Sie dort etwas über die Geschichte des Kirschanbaus in Hagen. Hier aber schon einmal ein kleiner runder Vorgeschmack: Bereits im 16. Jhd. wurden in Hagen am Teutoburger Wald Süßkirschen angebaut. Und seit der Wende zum 20. Jhd. wurden wir das bedeutendste Obstanbaugebiet zwischen Osnabrück und Münster. Jetzt hoffen wir, dass wir Ihnen Appetit gemacht haben: Seien Sie, und das nicht nur zur Obstblüte, willkommen in der Kirschgemeinde Hagen!

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