Holter Burg

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Ihr wollt wissen, was es mit dieser Burgruine auf sich hat? Davon weiß ich von einer alten Bauersfrau, die mir mit einem seltsamen Lächeln versicherte, dass sie alles, was sie mir erzählte, selbst erlebt und mit eigenen Augen gesehen habe!

Die Meyer von Holte hatten unten im Dorf einen großen Hof, dort sammelten sie für ihren Herrn die Abgaben der Bauern ein und teilten die Hand- und Spanndienste zu. Da sie sehr erfolgreich in dem waren, was sie taten, erhoben sie sich bald über die anderen ihres Standes. So bauten sie etwas abseits ihres Hauses eine Befestigung, ob aus eigenem Antrieb oder im Auftrag, um für die Sicherheit der eingesammelten Abgaben zu sorgen, weiß niemand mehr zu sagen. Als dann das ganze Land der Sachsen in Aufruhr war wegen des Krieges, den Kaiser Heinrichs IV. gegen sie führte, errichteten die Herren von Holte eine noch sicherere Heimstadt, und zwar hier auf dem Holter Berg. Eine kreisrunde Burg ließen sie errichten, gesichert durch einen hohen Wall und einen zusätzlichen Graben nach drei Seiten hin, zur vierten fiel der Berg steil ab. Neben dem Burgtor war eine Kapelle, dem gegenüber der Palas und mitten in der Anlage ein uneinnehmbarer, mächtiger runder Turm.

Inzwischen waren die Leute aus dem Ort nicht mehr gut auf die Herren von Holte zu sprechen. Viel zu weit enthoben hatten sie sich, zudem verließen sie sich mehr und mehr auf ihr Waffenglück und ihre feste Burg als auf ein ehrliches Tagewerk. Schließlich galt ihnen ihr Schwert mehr als alles Recht. Der Bischof von Osnabrück wollte das nicht länger dulden und zog mit großer Macht vor die Burg. Doch ausrichten konnte er hier nichts. Viel zu stark war die Burg befestigt, um sie im Sturm zu nehmen. Deshalb beschloss der Bischof die von Holte auszuhungern.

Lange Zeit ging darüber ins Land, ganze sieben Jahre lagerten die Truppen des Bischofs vor den Toren, und noch immer hatten die Verteidiger nicht aufgegeben. Ihr Geheimnis war nämlich, dass durch einen unterirdischen Gang täglich eine Bauersfrau kam und sie mit Brot, Wurst und Speck versorgte. Die Ritter von Holte bezahlten die Frau mit klingender Münze, deswegen kam sie jeden Tag wieder. Nach sieben Jahren waren jedoch die Schatzkisten der Raubritter leer, und unbezahlt musste die Bauersfrau wieder ihres Weges gehen. Das aber ließ sie sich nicht lang gefallen. Eines Tages ging sie in das Lager der Bischöflichen und verriet ihnen den Geheimgang. Als darauf die Bischöflichen in die Burg eindrangen, hatten die Verteidiger keine Chance mehr. Bevor die Ritter von Holte flohen, wollten sie jedoch noch einen Teil ihres Reichtums retten und versenkten eine Tischplatte, in den ein großer strahlender Diamant eingearbeitet war, im Brunnen.

Der Bischof ließ die Burg derer von Holte bis auf die Grundmauern schleifen, damit sie es nie wieder wagen würden, sich ihm zu widersetzen. Den Meyerhof hingegen ließ er ihnen.

Einige Zeit später versuchten in der Nacht einige Bauern, die von dem Schatz in dem Brunnen erfahren hatten, die Tischplatte mit dem Diamanten zu heben. Schon hatten sie ihn fast bis an den Rand des Brunnens gezogen, da ging die Sonne auf und ihre Strahlen verfingen sich so hell in dem Diamanten, dass die Bauern erschraken und die Tischplatte zurück in die Tiefe fiel. Dort soll sie auch heute noch liegen und auf einen glücklichen Finder warten.

Die Herren von Holte zeigten sich nach ihrer Niederlage geläutert. Die Nachfahren der Raubritter stifteten auf ihrem Gelände ein Kloster und der letzte Vertreter ihres Geschlechts ergriff schließlich selbst ein geistliches Amt. So ist es denn ausgestorben, das Haus derer zu Holte, und niemand klagt mehr über den Verlust dieser Burg, von der nur noch die Grundmauern stehen.

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