Hagen am Teutoburger Wald

Werwölfe und Geister - Unheimliches in Hagen

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In Hagen ging es früher nicht immer ganz geheuer zu, deswegen erzählte man sich Folgendes auch nur hinter vorgehaltener Hand:

In Wellmanns Kotten in Natrup bei Hagen gab es einen Bauern, der hatte einen Zaubergürtel. Mit diesem Gürtel konnte er sich in einen Wehrwolf verwandeln. Als solcher trieb er sich nachts auf den Weiden seiner Nachbarn herum und verschlang dort so manches Rind. Zu Hause gab er vor Beendigung seiner widernatürlichen Verwandlung seinen Raub wieder von sich. Und danach bereitete er zurück in Menschengestalt in aller Ruhe daraus ein ansehnliches Fleischgericht.

Eines Tages legte er wieder den Gürtel um und wollte sich auf der nächsten Wiese auf ein Rind stürzen, da rief ihm seine Frau, die durchaus wusste, was er tat, hinterher: „Jan siehst du nicht, was du tust, es sind doch Wellmanns Kühe!“ Also die Kühe des Mannes, dessen Kotten er bewohnte. Dieser Ausruf ist in Hagen später zum Sprichwort geworden, wenn jemand irgendetwas Unrechtes vorhatte.

Schließlich trieb es der Wehrwolf so weit, dass man ihn erkannte und ihn in Iburg anzeigte. Darauf schickte das Gericht einen Vogt nach Natrup zum Haus des Bauern. Als er ankam, war dort aber gerade niemand zu Hause. Der Vogt betrat dennoch die Wohnstube und sah sich beiläufig um. Aber da hing doch tatsächlich der angeblich zauberkräftige Gürtel an der Wand! Da der Vogt nicht recht glauben wollte, was man sich über den Gürtel erzählte, beschlich ihn die Neugier und er zog den Riemen um seine Hüften. Sofort aber verwandelte er sich in einen Wolf und rannte voller tierischer Wut davon. Da er jedoch den Spruch nicht kannte, um die menschliche Gestalt zurückzuerlangen, musste er ein Wolf bleiben - bis auf den heutigen Tag.

Das ist zwar schon unheimlich genug, aber noch längst nicht alles! Nein! In Sudenfeld nämlich, nicht weit von Gellenbeck, hatte Bauer Gretzmann eine Tochter namens Mechel. Die war furchtbar versessen auf ihre Arbeit, konnte fast an nichts anderes denken, bei Tag und bei Nacht. Deshalb ließ sie selbst an hohen Feiertagen das Spinnrad nicht ruhen. Das hat sie letztlich schlimm büßen müssen, denn ihre Unruhe verlor sich selbst nach ihrem Tod nicht. So ging sie denn Nacht für Nacht auf dem Hof um.

Der Bauer mochte das bald nicht mehr ertragen und holte einen der Dominikanermönche aus Osnabrück, um ihm zu helfen. Mit mächtigen Beschwörungen gelang es dem Gottesmann schließlich, den Spukgeist in ein benachbartes Waldstück zu bannen, das seitdem nach dem Namen des toten Mädchens Mechelnbusch hieß. Jede Nacht saß der Geist nun dort und ließ das Spinnrad sausen. Von vielen wurde er dort gesehen.

Irgendwann jedoch machte der Bauer einen schweren Fehler. Er ließ Holz aus dem Mechelnbusch schlagen und auf seinen Hof bringen. Da war der Geist der toten Mechel wieder zurück im Haus und trieb dort erneut sein Unwesen. Nachdem er nochmals in den Mechelnbusch gebannt worden war, riet der Mönch dem Bauern, das Holz aus dem Busch fortan den Armen zu schenken, was dieser sich zu Herzen nahm. Heute ist der Mechelnbusch gänzlich verschwunden. – Aber was mit dem Geist passiert ist, weiß niemand so genau…

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