Großsteingrab Jeggen

Audio

Lesen

Die riesigen Findlinge liegen dort, als gehörten sie einfach hierher: Die großen alten Bäume, die zwischen ihnen wachsen, verstärken noch diesen Eindruck. Alles das scheint ganz selbstverständlich Teil der Landschaft zu sein. Und dennoch liegt etwas Magisches über diesem Ort, denn dass diese Steine nicht von alleine zueinander gefunden haben, ist völlig fraglos. Es steckt also eine Absicht hinter dieser Ansammlung, ein gestaltender Wille.

Dass es sich bei diesen Bauten um Gräber handelt, ist landläufig nie vergessen worden. „Hünengräber“ nannte man sie gerne, da man annahm, dass nur Hünen, also Riesen, diese mächtigen Steine bewegt haben könnten.

Wir sprechen heute von Megalithanlagen, wobei der Begriff aus dem Griechischen kommt: „mega“ heißt nichts anderes als „groß“ und „lithos“ ist der Stein.

Unsere Vorfahren vor mindestens 5000 Jahren setzten diese vielen äußerst schweren Findlinge zu einer mächtigen Anlage aus Trägersteinen und abschließenden Decksteinen zusammen. Die Lücken wurden vermauert und dann ein Erdhügel darüber aufgeworfen.

Der Bau der Großsteingräber war an bestimmte Voraussetzungen gebunden. Die Gruppe, die sich ein solches Großsteingrab baute, musste ein festgefügter sozialer Verband sein, der in der Nähe seinen Wohnsitz hatte. Das bedeutet aber auch, dass die Zeit des Nomadentums für diese Menschen vorüber war, sie waren sesshafte Bauern geworden.

Auch muss ein sehr deutlich ausgeprägtes Bedürfnis vorhanden gewesen sein, sich einen solchen gemeinschaftlichen Kult- und Gedächtnisort zu schaffen, denn der Aufwand muss angesichts der technischen Möglichkeiten enorm gewesen sein.

Archäologen haben einmal ausprobiert, wie viele Menschen es braucht, um einen 32 Tonnen schweren Steinblock zu ziehen und aufzurichten. Das waren immerhin 200, allesamt erwachsen, kräftig und gesund. Zugegeben, die Steine des Großsteingrabs Jeggen sind keine Riesenfindlinge dieses Kalibers, aber einige Tonnen bringen sie trotzdem auf die Waage, außerdem sind es ziemlich viele!

Wie man sie hierher transportiert haben könnte, zeigt die Skulptur, die hier auf dem Gelände steht. Wie man sie allerdings aufeinandergestapelt hat, ist noch ein ganz anderes Problem!

Ein kollektiver Kultplatz wie dieser schweißte die Gruppe sicherlich zusammen und bestimmte über viele Generationen die gemeinsame Identität. Man wusste, dass man zu derjenigen Gruppe gehört, die genau hier ihre Toten begräbt. Das wird gleichzeitig auch zur Abgrenzung gegenüber den Nachbargruppen gedient haben und zur Behauptung des eigenen Territoriums.

Man weiß inzwischen auch, dass die meisten dieser Kultplätze nicht in Sichtweite der Siedlungen lagen. Offenbar hatte man doch Respekt, wenn nicht sogar Angst vor den Toten, auch wenn sie wahrscheinlich als Ahnen verehrt wurden. Eine vage Erinnerung daran, dass man mit schweren Steinen verhindert, dass die Toten zu Wiedergängern werden, zeigt sich gewissermaßen noch heute, auf unseren eigenen Friedhöfen. Ganz selbstverständlich stehen sie voller, bisweilen großer, Steine.

Karte