Ehemalige Kirche

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Die Franken kommen! Ihr König Karl der Große erobert in langen blutigen Kriegen das Sachsenland. Und überall dort, wo er seine Herrschaft aufrichtet, hält das Christentum Einzug. Die Zeit der alten sächsischen Götter ist vorüber.

Um die Einwohner des Landes aber auch wirklich zum christlichen Glauben zu bekehren, schicken die Franken ganze Heerscharen von Klerikern in die neueroberten sächsischen Gebiete. Überall schießen daraufhin Missionszentren und Kirchen aus dem Boden.

Auch in Hagen wird um das Jahr 860 eine Kirche gebaut. Sie ist dem Hl. Martin geweiht, pikanterweise ausgerechnet dem Schutzpatron der Franken.

St. Martin ist im Kern also tatsächlich mehr als beeindruckende 1000 Jahre alt! Der fränkische Kirchenbau selbst wird dagegen nicht sonderlich beeindruckend gewesen sein, deshalb ist er im Laufe der nächsten Jahrhunderte durch eine romanische Kirche ersetzt worden. Doch auch diese Kirche genügte irgendwann nicht mehr den Ansprüchen der Hagener Gemeinde, daher gab es an der Wende vom 15. zum 16. Jhd. einen spätgotischen Neubau, dessen Erscheinungsbild uns in Form des Turmes noch heute gegenübertritt.

Die Kirche wurde seitdem nochmals mehrfach erweitert, was immer eine teure Angelegenheit war. Einmal, als die Errichtung der Sakristei anstand, wollte sich das Geld nicht in der Gemeinde auftreiben lassen, da erklärte sich die begüterte Frau von Winzheim dazu bereit, die Kosten zu tragen, wenn sie denn dafür eine Begräbnisstätte für sich und ihre Nachkommen unter der Kirche bekäme. Als die Hagener von diesem Angebot Wind bekamen, öffneten sich plötzlich doch noch die Geldbörsen und Sparstrümpfe der Gemeinde. Eine adelige Gruft unter ihrer Kirche – das war einfach nicht nach dem Geschmack der Hagener! 

Anfang der 70er Jahre des letzten Jahrhunderts entschloss sich die Kirchengemeinde Hagen zu einem schmerzhaften und dennoch schlüssigen Schritt. Für ein Gemeindeleben in moderner Größenordnung war die alte St. Martinskirche einfach nicht mehr optimal, deshalb entschloss man sich zu einem vollständigen Neubau. 1973 erfolgte der Umzug und die alte Kirche wurde profanisiert, womit sie für außerkirchliche Zwecke frei wurde.

Seit 1978 kümmert sich ein Trägerverein darum, dass das altehrwürdige Wahrzeichen Hagens einerseits in aller Würde erhalten bleibt, andererseits aber auch mit Leben gefüllt wird. Mittlerweile ist die Ehemalige Kirche ein beliebtes Zentrum für unterschiedliche kulturelle Veranstaltungen. Gerade Konzerte sind hier von ganz eigener Qualität, denn sowohl die besondere Atmosphäre des Hauses als auch die herausragende Akustik tragen das Ihre zu einem eindrucksvollen Musikerlebnis bei.

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