Ev.-luth. Christuskirchengemeinde

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Die Landgemeinden des Osnabrücker Südens waren traditionell fest in katholischer Hand. Das war eine Folge der Regelungen, die im Westfälischen Frieden getroffen worden waren. Ein Ende dieser Homogenität brachte erst das 19. Jhd. mit der Industrialisierung.

Die neu gegründete Stahlhütte in Georgsmarienhütte hatte von Anfang an großen Bedarf an Arbeitskräften. Die Einheimischen hatten allerdings wenig Neigung, in der Hütte zu arbeiten: Sie galt – nicht ganz zu Unrecht - als zu laut, zu schmutzig und zu gefährlich. Darüber hinaus machte die Runde, man solle sich nicht wundern, dort auch sonntags und an kirchlichen Feiertagen arbeiten zu müssen. Also blieb der Hütte nichts anderes übrig, als auswertige Arbeiter anzuwerben, und die waren oftmals Protestanten!

Ähnlich erging es dem Erzbergbau im Hüggel, der das Stahlwerk mit Eisenerz zu versorgen hatte. Viele der Bergleute waren z.B. aus dem Harz Zugewanderte, die ihre ev. Konfession mitgebracht hatten.

Es ist überliefert, dass das Zusammenleben der Einheimischen mit den Zugezogenen zunächst so seine Tücken hatte. Bezeichnend ist der überlieferte Fall, dass die Hagener sich weigerten, einen lutherischen Bergmann, der in ihrer Gemeinde gestorben war, auf ihrem Friedhof, in gut katholisch geweihter Erde, zu Grabe zu legen. Erst als sich das Amt Iburg einschaltete, weil die Geschichte unappetitlich wurde, konnte der Leichnam letztlich bestattet werden.

Es musste also ein Friedhof her, der auch Evangelischen zugänglich war. Auch mussten die Möglichkeiten einer angemessenen Seelsorge immer mehr in Betracht gezogen werden, je mehr ev. Einwanderer sich in der Industrieregion niederließen, denn die evangelische Kirchen in Osnabrück waren viel zu weit weg, um im Alltag der Menschen vor Ort eine Rolle zu spielen.

Seit den 80er Jahren des 19.Jhd. gab es ernsthafte Bestrebungen, eine eigenständige ev. Gemeinde in Hasbergen zu gründen. Es dauerte jedoch noch einige Jahre, bis das Ansinnen auch in die Tat umgesetzt wurde. 1901 bekam die junge Gemeinde endlich ihre eigene Kirche, die Christuskirche.

Ihr Baumaterial ist, zumal für eine Kirche, eine Besonderheit. Es stammt aus direkter Nachbarschaft, nämlich aus der Stahlhütte. Die Schlacke, die beim Kochen des Stahls anfiel, wurde im Sinne der Ökonomie weiterverwendet und in Form von Backsteinen gepresst. Das langlebige Baumaterial, das auf diese Weise produziert wurde, nennt man Hüttensteine. Und runde 600000 von ihnen sind in der Christuskirche verbaut. Ob es an dem Baumaterial oder an der Architektur liegt: Die Akustik der Christuskirche ist bekanntermaßen hervorragend und deshalb ist sie nicht nur für Gottesdienste, sondern auch für musikalische Veranstaltungen besonders geeignet.

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