Haus Beccard

Foto – Stefan Herringslack

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Das Heimathaus ist ein besonders schönes Stück Lengerich. Und das ist nicht nur ein rein ästhetisches Urteil, sondern es hat mit der Geschichte dieses ungewöhnlichen Hauses zu tun.

Jetzt verwirre ich Sie einmal ein wenig, indem ich behaupte, das Ungewöhnliche an diesem Haus ist gerade das Gewöhnliche – oder besser: das, was früher einmal gewöhnlich gewesen ist. Das Beccardsche Haus repräsentiert nämlich einen Haustyp, der ganz entscheidend von den Gegebenheiten früheren Lebens und Wirtschaftens geprägt ist. Das Haupthaus ist ein Ackerbürgerhaus, wie es in Lengerich eine ganze Reihe gegeben haben muss: ein Fachwerkhaus aus dem 17. Jhd., dessen Formen vielfach von der selbstversorgenden Landwirtschaft der alten Lengericher geprägt ist. Von diesem Grundstock aus ist das Haus gewachsen und durch die Jahrhunderte, die es im Besitz einer einzigen Familie verblieb, den Erfordernissen jeder Generation seiner Bewohner angepasst worden. Aus den Ackerbürgern wurden mit der Zeit mehr und mehr Kleidermacher und Schneider, die sich mit Hilfe dieses Handwerks einen gewissen Wohlstand erwirtschafteten. Das Haus wurde umgebaut. Es erhielt größere Fenster, damit man das Tageslicht für die Arbeit nutzen konnte. Es erhielt neue Holzdielen, einen Sandsteinfußboden, auf dem die großen Nähtische wohl Platz gefunden haben. Es erhielt eine neue bürgerlich-klassizistische Werksteinfront, die das ganze Anwesen sicherlich im Sinne einer gesteigerten Repräsentation aufpolierte.

Der Name des Hauses, nämlich Beccard, verdankt sich eigentlich französischen Wurzeln, denn der Wandergeselle Johann Friedrich Beccard entstammte einer Hugenottenfamilie. 1799 ist er in Lengerich hängengeblieben, wohl der Liebe wegen, denn er heiratete nur wenig später eine Einheimische, nämlich eine Tochter der Familie Dillmann, die das Haus damals besaß. Übrigens ist diese Ehe ein durchaus nachhaltiges Projekt gewesen, denn die Nachfahren der beiden leben noch heute in Lengerich.

Seit 2003 befindet sich das Haus im Besitz des Heimatvereins Lengerich. Es ist renoviert und behutsam umgebaut worden, um dem Verein ein angemessenes Domizil zu geben und der Öffentlichkeit eine heimatkundliche Dauerausstellung zu Wohnkultur und Handwerk in alter Zeit zu präsentieren. Wer Interesse daran hat, melde sich bitte bei der Touristeninformation in Lengerich.

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