Geschichte von Burg und Stadt

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Die Geschichte der Burg beginnt mit einem Gemetzel: Im Jahre 1234 (sprich: eins-zwei-drei-vier) versammelte sich ein europäisches Kreuzritterheer, um die stedinger Bauern, die sich dem Herrschaftsanspruch des bremer Erzbischofs, nicht beugen wollten, die Leviten zu lesen. In der Schlacht von Altenesch, nördlich von Delmenhorst, mussten sich die streitbaren Bauern der zahlenmäßigen und militärtechnischen Übermacht geschlagen geben.

Um das Unruhegebiet unter Kontrolle zu halten, ließ Graf Otto von Oldenburg auf dem Areal des Gutshofes „de Horst“ eine Burg errichten. Die ihr angeschlossene Siedlung hatte gute Voraussetzungen, denn es trafen sich hier zwei wichtige mittelalterliche Fernhandelsstraßen, nämlich die flämische und die ostfriesische.

Mehrfach teilte sich das Grafenhaus Oldenburg in eine oldenburger und in eine delmenhorster Linie. So bildete die Stadt über weite Strecken seiner Geschichte das Zentrum einer eigenständigen Grafschaft.

Besonders berüchtigt war Delmenhorst im 15. Jh. z. Z. des Grafen Gerd, eines sagenumwobenen Raubritters. Ihm wurden sogar Verbindungen zu den Vitalienbrüdern nachgesagt, den Piraten, zu denen auch Klaus Störtebecker gehörte.

Er nutzte die verkehrsgünstige Lage der Burg Delmenhorst, um die hansischen Kauffahrer in seinem Bereich erbarmungslos zu schröpfen. Weit und breit war die „Gerdsche Elle“ bekannt – eine Kriegslanze, die er gelegentlich statt einer normalen Elle als Maß für den Zoll auf Stoffe benutzte. - Oder auch das „Gerdsche Geleit“, Schutzbriefe, die Gerd an vertrauensselige Händler verkaufte, um sie in sein Gebiet zu locken und entgegen den gemachten Zusagen trotzdem auszunehmen.

Nach vielen Jahren der Fehde hatte im Jahr 1481 das Spiel jedoch ein Ende: Truppen der Hanse legten einen Ring um die Burg. Tag um Tag wurde die Versorgungslage der Verteidiger immer verzweifelter. Zuletzt verfielen sie auf den Trick, ihre letzte Sau tagtäglich solange zu piesacken, bis sie lauthals quiekte, um den Angreifern vorzugaukeln, dass die Burg noch immer so gut versorgt sei. Allein der Trick zog nicht: Delmenhorst fiel und musste von den Oldenburgern abgetreten werden. Gerd musste auf Druck der eigenen Familie ins Kloster Rastede gehen.

Gut sechzig Jahre später wurde Delmenhorst noch einmal per Handstreich genommen. Diesmal waren es die Oldenburger, die ihre Burg zurückgewannen. Danach wurde es dann endlich etwas ruhiger. Sogar den Dreißigjährigen Krieg überstand man ähnlich wie in Oldenburg glimpflich.

Als die delmenhorster Grafenlinie und wenig später auch das oldenburger Stammhaus ausstarb, ging die Herrschaft auf die königliche Verwandtschaft in Dänemark über. Damit war Delmenhorst nicht mehr selbst Zentrum, sondern letztlich ins Abseits geraten: Der Glanz Delmenhorsts als Residenzstadt war nun ein für allemal dahin. Ausdruck dieses Niedergangs war der Abriss der Burg, der ab 1711 durchgeführt wurde. Schade eigentlich.

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