Die Howieker Mühle

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Die Howieker galten früher als die Schildbürger des Ammerlandes. Man erzählte sich einige ihrer Streiche, und so auch folgenden: Seit alters her gab es in Howiek und Ocholt keine Mühle. Deshalb mussten sie das Korn, das sie zu mahlen hatten, immer bis nach Geißelhorst bringen, das weite sechs Kilometer entfernt lag. Schließlich hatten aber die Howieker davon die Nase voll und beantragten nach langem Hin und Her die Genehmigung eines Mühlenbaus beim Rat in Oldenburg. Nach eingehender Beratung gaben die Ratsherrn zwar die Erlaubnis, eine Wassermühle zu bauen, aber sie fügten hohnlachend hinzu, dass diese nur auf der höchsten Anhöhe des Howieker Bauernlandes stehen dürfe. Außerdem gaben sie nur die Genehmigung für eine einzige Gangspille, also den Kern des Mühlenrades. Sobald diese abgenutzt sei, wäre es vorbei mit der Genehmigung.

Darauf berieten sich die Bauern. Wie sollte eine Wassermühle ihren Dienst tun ohne alles Wasser, denn schließlich könne das Wasser nicht bergauf fließen? Dennoch bauten die wackeren Howieker ihre Mühle im Jahr 1608, und dort steht sie noch heute. Auch hat sie durch Jahrhunderte ihren Dienst getan, denn die Bauern bauten ein Wehr und zogen Gräben, so dass die Mühle mit Stauwasser versorgt wurde. Dennoch blieben die Verhältnisse schwierig, denn durch die Stauung wurden die angrenzenden Wiesen überschwemmt, was deren Besitzer mit wenig Humor ertrugen. Um die Stauung zu verhindern, spielten sie dem Müller so manchen Streich. Sie zogen in der Nacht die Stauschotten hoch, sie durchstachen die erhöhten Ufer oder sägten Balken durch. Am nächsten Morgen gab es dann jeweils auf der Mühle lange Gesichter, weil einfach kein Wasser da war, um die Mühle anzutreiben. Trotz allem hat man sich mit der Zeit arrangiert. Im Winter, wenn das Vieh im Stall war, konnte das Wasser ohne weiteres gestaut werden, in trockenen Sommern musste der Müller schon einmal ein paar Wochen warten, bis die Mühle ihren Betrieb aufnehmen konnte.

Das Problem mit der Gangspille sollen die schlauen Howieker so gelöst haben, dass sie sich heimlich gleich zwei anfertigen ließen. Damit aber die Ratsherren in Oldenburg ihnen nicht auf die Schliche kämen, versenkten sie die Ersatzspille im Zwischenahner Meer, und zwar so, dass sie sie jederzeit wiederfinden könnten. Sie machten nämlich in der Wand ihres Bootes, genau an der Stelle, wo sie die Spille ins Wasser ließen, eine Kerbe. Na, da konnte ja nichts mehr schief gehen!

Übrigens sollen auch die Ratsherrn von Oldenburg die Mühle einmal besucht haben - die wundersame Wassermühle, wo das Wasser aufwärts fließt.

 

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