Die Bokeler Burg

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Auf der Bokeler Burg ist es nachts nicht geheuer. Geister bewachen hier einen Schatz aus uralten Tagen. Treibt dich, fremder Wanderer, die Neugier, dann lass dir sagen, nur in einer ganz bestimmten Nacht des Jahres kann dieser Schatz gehoben werden. Aber es ist ein gefährliches Unterfangen.

Zur Johannisnacht vom 23. auf den 24. Juni mag sich der Schatz, der in der Mitte des Rundes vergraben liegt,  einmal an der Oberfläche zeigen. Und dann heißt es, bedacht und schnell zu handeln. Ein Bauer aus der Umgebung kam in einer solchen Nacht am alten Ringwall vorbei und sah in seiner Mitte den Schatz im Mondlicht glitzern. Entschlossen schritt er darauf zu und legte sein eisernes Beil, das er von seinem Vater geerbt hatte, auf das Gold. Die Münzen, auf denen das Beil lag, konnte er nun mühelos wegnehmen und samt Beil in seinen Hut stopfen. Dann verließ er eiligen, aber sicheren Schrittes das Wallrund. Hinter ihm begann es nun zu lärmen und zu toben, als seien die Pforten der Hölle geöffnet worden, doch der Bauer ging geradewegs weiter bis zum Bokeler Esch und sah sich nicht um. Bald hatte er ein gutes Stück des Weges hinter sich gebracht, als das Lärmen hinter ihm langsam abebbte. Als es schließlich ganz versiegt war, wagte der Bauer einen verstohlenen Blick zurück. Doch das hätte er lieber bleiben lassen, denn wie ein Donnerschlag setzte das Toben erneut ein. Gleichzeitig wurde der Hut des Bauern merkwürdig leicht. Weniger bewusst als aus purer Vorahnung zog er mit einem Ruck den Kopf ein. Da flogen auch schon die Münzen um Haaresbreite an seiner Schläfe vorbei, dicht gefolgt vom Beil seines Vaters, das mit der Schneide dermaßen wuchtig in einen der nahestehenden Baumstamm hineinfuhr, dass man es kaum wieder herausziehen konnte…

Auch wenn Sie nicht wirklich damit rechnen können, in der Bokeler Burg auf Gold zu stoßen, haben Sie mit den Überresten dieser uralten Anlage aus zwei konzentrischen Ringwällen dennoch ein wahres Schatzkästchen vor sich. Es handelt sich nämlich um eine außerordentlich bedeutende Befestigungsanlage aus dem 9. Jhd., die wohl einerseits als Fluchtburg für die umliegende Bevölkerung diente, andererseits aber auch mit einer Wachmannschaft besetzt war, die die nahe vorbeiführende Friesische Heerstraße beherrschte. Vielleicht ist sie die in den friesischen Quellen als „Omersburg“ bezeichnete Befestigung, die Burg der Ammerländer. Zudem spricht einiges dafür, dass die Bokeler Burg das Machtzentrum des sagenhaften Grafen Huno gewesen ist, des ersten namentlich bekannten Oldenburger Grafen. Er gründete fast in Sichtweite von hier das berühmte Rasteder Kloster und hinterließ uns die unterirdische Krypta in der dortigen St.-Ulrichs-Kirche. Insofern kann man mit einiger Berechtigung sagen, dass diese Ringwallanlage die Keimzelle der späteren Grafschaft Oldenburg bildet.

Ein Beleg für die Bedeutung dieser Burg ist zudem, dass hier noch jahrhundertelang für das gesamte Ammerland Gericht gesprochen wurde, obwohl die Grafen schon längst ihren Stammsitz an die Hunte nach Oldenburg verlegt hatten.

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