Der Freischütz

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Auch der Wald ist in Rastede sagenhaft. So erzählt man sich folgende Geschichte:

 

Während der Dänenzeit lebte auf Gut Loy ein dänischer Major namens von Oetken. Da der Gutsherr ein geselliger Mensch war und er gerne große Gasttafel hielt, konnte oftmals für die Küche gar nicht genug Wild herangeschafft werden. Deshalb wurde ein zusätzlicher Jäger eingestellt, der dem Major als guter Schütze empfohlen worden war.

Mit diesem Schützen ging es jedoch nicht mit rechten Dingen zu. Gleich wann er in den Wäldern Rastedes auf die Pirsch ging, war sein Jagderfolg um Vieles größer als jedes anderen. Bald munkelte man, dieser Jäger hätte seine Fähigkeiten nicht auf rechte Art und Weise erworben. Er sei ein Freischütz und hätte seinen Bund mit dem Bösen dadurch geschlossen, dass er beim Abendmahl die Hostie im Mund mit sich nach Hause trug. Dort habe er sie an einen Baum geheftet und sie mit einem Schuss aus seiner Flinte durchlöchert. Seither treffe er mit seinem Gewehr buchstäblich alles. Mit seinem frevelhaften Tun hatte er jedoch seine Seele dem Teufel verschrieben.

Zunächst freute sich der Herr von Oetken nur darüber, dass der neue Jäger bei jedem Jagdzug eine Unmenge an Wild heimbrachte und seine gastfreie Tafel keinen Mangel litt.

Schließlich redeten jedoch die Leute immer offener darüber, dass so etwas ohne schwarze Magie unmöglich sein könne und sprachen zuletzt auch den Gutsherrn darauf an.

Major von Oetken beschloss daher, selbst nach dem Rechten zu sehen und seinen Jäger auf die Probe zu stellen. So begleitete er ihn eines Tages auf seinem Jagdzug.

Zunächst schien alles seinen rechten Gang zu nehmen, nur dass der Jäger wirklich erstaunlich gut schoss. Da zog eine Kette von wilden Gänsen über ihnen dahin. Von Oetken sagte voller böser Vorahnung: „ Nun zeig ´mal, was du kannst, und schieß mir eine Gans im Flug herunter!“

„Welche soll´s denn sein?“, fragte der Jäger gelassen, „die erste oder die letzte?“

„Alle beide!“, antwortete der Major mit ruhiger Stimme, obwohl ihm keinesfalls wohl in seiner Haut war.

Da legte der Jäger sicheren Auges an und schoss. - Und beide Gänse stürzten von dem einen Schuss getroffen in die Tiefe. Da war sich der Herr von Oetken nun vollends gewiss, dass ein Freischütz und Knecht des Teufels in seinen Diensten stand. Mit hoch rotem Gesicht schrie er ihn an: „Der Teufel soll dein Wild fressen!“

Um seiner Rache zu entgehen, zahlte er ihm noch am selben Tag seinen ganzen Jahreslohn aus, doch dann schickte er ihn fort mit den Worten, er solle so schnell wie möglich verschwinden und nie wieder kommen.

Lebend gesehen hat man den Freischütz seitdem im Ammerland nicht mehr, aber vielleicht findet ja die Seele des Frevlers seitdem keine Ruhe und streift bis heute des Nachts durch den Rasteder Wald.

 

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