Burgplatz Wittenheim

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Sic transit gloria mundi, wie die Lateiner sagen. So vergeht der Ruhm der Welt!

Hier stand einst ein blühendes Anwesen, ein altes Rittergut aus drei prächtigen Häusern, zu welchen eine lange grade Allee führte. Auch der Garten war überaus schön angelegt. Doch all das konnte nicht über das finstere Herz des Hausherrn hinweg täuschen.

Auf Gut Wittenheim lebte der Amtmann Witken, ein harter und stolzer Mann, der sogar seinen eigenen Sohn so sehr zu schinden wusste, dass dieser endlich das Gut seines Vaters verließ und nie mehr zurückkehrte. Die Bauern seiner Herrschaft behandelte er mit Hartherzigkeit und Grausamkeit. Auch als Richter war er erbarmungslos. Einmal ließ er zwei halbwüchsige Knaben vor den Henker führen für einen Todschlag, den sie gar nicht begangen hatten. Als ein anderes Mal ein Stier einen Menschen getötet hatte, verurteilte er das Tier zum Tode durch Nahrungsentzug. Das Brüllen des verhungernden Stieres soll man weithin gehört haben. Seitdem aber soll auf Wittenheim ein Stierspuk umgehen.

Bei anderen setzte der Amtmann Witken immer die höchsten Maßstäbe an, dabei war sein eigener Lebensstil in keinster Weise vorbildlich. Obwohl er verheiratet war, führte er auf dem Gut ein Lotterleben mit viel losem Weibsvolk.

An einem schönen Pfingsttag, alles grünte und blühte aufs herrlichste, ließ der Pastor vor der Allee halten, stieg vom Wagen ab und sprach nach Gut Wittenheim hin: »Heute blühest du wie ein Lorbeerkranz, aber du wirst verwelken!« Und in der Kirche predigte er den Sonntag: „In Wittenheim wird kein Stein mehr auf dem andern bleiben, denn es ist ein Ort wie Sodom!“

Bald darauf lag Amtmann Witken auf seinem Sterbebett ohne Nachkommen und von niemandem beweint.

Danach wurde das Haus kaum noch regelmäßig bewohnt, und schließlich zerfiel es, so dass die Bauern der Umgebung die Gebäude als Steinbruch nutzten. So hatte sich der Fluch des Pastors erfüllt.

Auch wenn das nur eine Sage ist, bleibt doch festzuhalten, dass im 18. Jhd tatsächlich ein Amtmann Witken das Gut bewohnte, dessen Linie bald ausstarb. Allerdings war er durchaus nicht der erste und einzige Herr dieses Anwesens gewesen. Schon im 13. Jhd. stand hier eine Burg der Grafen zu Oldenburg, die nach Westen hin ihre Herrschaft zur friesischen Grenze hin absichern wollten. Erst als die Grafen etwa 300 Jahre später die weiter westlich gelegene Festung Apen erwarben, hatte die Burg ihre militärische Bedeutung verloren. Aber noch Anton Günther, der letzte Graf von Oldenburg, unterhielt hier ein Jagdhaus und nutzte das Anwesen als Gestüt. Erst als die Grafenlinie schon längst ausgestorben war, hatte der Amtmann Witken hier seinen Amtssitz und der alte Burgplatz seine letzte Blütezeit.

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