Aussichtsturm West

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Ich sing euch altersgraue Mär;

Von meinem Vater hab´ ich´s her.

Das ist der Dümmer-See, mein Kind

Fass Mut und stürz hinein geschwind.

Schilfinseln liegen hier zerstreut,

wo wildem Vogel sich Wohnung beut.

Die Hunte weiß: Ich hab´s errungen.

Gleich wie der Rhein den Bodensee

mit starken Armen hat bezwungen,

so ich, die Hunte, den Dümmer-See!

Hier konnt ich, was ich ward, beweisen,

und will jetzt Fluss, nicht Bach mehr heißen!

Anhand dieser schönen Verse des Heimatdichters Karl August Mayer aus dem Jahre 1851 ist mit nur wenigen Worten umrissen, welche Besonderheiten hier am Dümmer anzutreffen sind.

 Einerseits wird der hohe Freizeitwert des Sees hervorgehoben, andererseits aber seine einmalige Naturlandschaft. Zu Zeiten unseres Dichters war diese noch ungestört. Im jahreszeitlichen Wechsel schwoll der Wasserspiegel des Dümmers jeweils im Herbst an und überflutete die benachbarten Wiesenniederungen, was das Gelände zu einem Paradies für eine einzigartige und vielfältige Vogelwelt machte.

 Als der Dümmer 1953 eingedeicht wurde, um in seinem Umland die Landwirtschaft intensivieren zu können, geriet dieses Vogelparadies in ernsthafte Gefahr. Doch je mehr sich der Mensch der Notwendigkeit ökologischer Verantwortung bewusst wurde, desto deutlicher wurde auch die Erkenntnis ökologischer Vernetzung. Die Dümmerregion ist insbesondere als Ruheplatz der Zugvögel für den Vogelschutz europaweit und darüber hinaus von zentraler Bedeutung. Daher werden seit 1998 in einem von der EU geförderten Projekt große Bereiche des Dümmerumlandes künstlich wiedervernässt. Das bedeutet nicht, dass die Landwirtschaft sich aus diesen Gebieten gänzlich zurückgezogen hätte. Im Gegenteil: Die wiederhergestellten Sumpfwiesen bedürfen der Pflege, so dass hier ein modernes Nebeneinander von Bewirtschaftung und Natur entstehen konnte. Der ökologische Erfolg dieses Konzeptes steht außer Frage: Die Populationszahlen auch seltener Vogelarten sind in den letzten Jahren vor Ort ständig gestiegen.

 Zuletzt aber soll der Fluss Hunte seine Würdigung finden, der vom Wiehengebirge im Süden kommend den Dümmer mit seinem Wasser speist. In der Senke des Sees verschwindet der Flusslauf, so dass die Hunte ihn Richtung Norden in mehreren Armen verlässt und verzweigt die Flussniederung durchquert, in der die Stadt Diepholz liegt. Erst ein Stück nördlich der Stadt finden sie alle wieder zueinander und nehmen gemeinsam ihren Weg Richtung Wildeshausen und Oldenburg, bis die Hunte schließlich bei Elsfleth in die Weser mündet.

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