Aussichtsturm Steinegge

Dienstag und die germanischen Götter

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Hier auf der Steinegge mit ihrer luftigen Höhe von 266 Metern befinden Sie sich in doppeltem Sinne auf einem „Fernseh“-Turm. Einerseits gibt es hier das technische Equipment zur Weitergabe von Funk- und Fernsehsignalen, andererseits ist die „Fernsicht“ über die Ebene des Münsterlandes grandios.
Direkt unter uns, nur 2 Km Luftlinie entfernt, liegt die knapp 10000 Einwohner zählende Stadt Dissen. Da sie seit dem Jahre 832 zum Bestand des alten Erzbistums Osnabrück gehörte, ist sie auch heute im Gegensatz zu ihrem Hinterland Teil des Bundeslandes Niedersachsen. Die Altstadt um die mittelalterliche St. Mauritiuskirche mit ihren Fachwerkhäusern ist immer einen Besuch wert. Die Kirche hat eine interessante Geschichte, die eng mit der des gesamten Ortes verbunden ist. Man geht davon aus, dass der Ort schon lange vor der Eroberung durch die christlichen Franken existierte und an der Stelle der heutigen Kirche ein Heiligtum für den germanischen Gott Ziu bestand, der uns in der altnordischen Sage als der Kriegsgott Tyr entgegentritt und dem dritten Tag unserer Woche, dem Dienstag, seinen Namen gegeben hat. Seit dem Jahr 772 unternahm Karl der Große eine Reihe von Feldzügen gegen die hier ansässigen Sachsen, um sie zu unterwerfen und zum Christentum zu bekehren. Im diesem Zusammenhang wird das heidnische Heiligtum der ersten Kirche in Dissen gewichen sein. Dieses Gotteshaus, das, wie damals oft üblich, Teil einer Burg war, ging im 13. Jh. in Flammen auf, als der Bischof von Osnabrück und der Graf von Tecklenburg in Fehde lagen. Der heutige Bau wurde 1276 dem Heiligen Mauritius geweiht, der 1000 Jahre zuvor der Legende nach den Märtyrertod erlitten haben soll.
Rechts, am westlichen Ende der Stadt liegt ein auffälliger weißer Gebäudekomplex. Das sind die Homann-Werke, die Sie sicherlich kennen, wenn ich Ihnen sage, dass Sie Produkte aus diesem Hause in jedem Lebensmittelmarkt kaufen können: Homann Feinkost oder die legendäre Margarine Homa Gold.
Hinter Dissen sehen sie die weite Ebene des Münsterlandes, die geprägt ist von kleinen Wäldern, beschaulichen Siedlungen und Einzelgehöften. Die einzige Erhebung in diesem Panorama ist zur Rechten der dem Teutoburger Wald vorgelagerte sog. Kleine Berg. Er liegt genau zwischen den beiden Kurorten Bad Rothenfelde, das Sie zu Füßen des Berges liegen sehen, und dem auf der Westseite befindlichen Bad Laer.

Mittelgebirge trifft auf norddeutsche Tiefebene

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Von unserem Fernsehturm oder auch „Fernsichtturm“ auf der Steinegge haben Sie nicht nur einen großartigen Blick auf das nördliche Münsterland, sondern auch über die Kämme des Teutoburger Waldes. Überhaupt wird der Gegensatz dieser beiden Landschaften hier an ihrer Grenze besonders deutlich: Das Osnabrücker Land ist zwischen dem Wiehengebirge im Norden und dem Teuto, seiner südlichen Begrenzung, die nördlichste deutsche Mittelgebirgslandschaft, während im Münsterland die Norddeutsche Tiefebene gewissermaßen noch einmal ihre Fortsetzung findet.
Richtung Westen zieht sich der Teutoburger Wald als Aneinanderreihung einzelner Kämme über Iburg und Tecklenburg fast bis nach Rheine, im Osten bzw. Südosten bis ins Lippische und in die Nähe von Paderborn. Übrigens lässt sich der Teuto wunderbar auf dem 156 Km langen Herrmannsweg erwandern, der das gesamte Gebirge der Länge nach einmal durchquert.
Aber kommen wir zurück in die direkte Umgebung: Schauen Sie den Kamm des Teutos entlang nach Osten. Dort sehen Sie eine Bergkuppe, die unsere Steinegge um ein Wesentliches überragt. Das ist der Hankenüll mit stattlichen 307 Metern Höhe über dem Meeresspiegel. Genau dort liegt eine der sichtbaren Marken des niedersächsischen und nordrheinwestfälischen Grenzverlaufs, der sich hier oft scheinbar unmotiviert überall in gezackten Linien durch die Landschaft zieht, indem er die alten Grenzen des Erzbistums Osnabrück nachempfindet.
Wenn Sie sich die bewaldeten Hänge des Teutoburger Waldes einmal genauer betrachten, dann wird Ihnen bald auffallen, dass die einzelnen Bergrücken des Südkammes meist mit Laubwald bewachsen sind, während auf dem nördlichen Kamm eher Nadelwald zu finden ist. Die Erklärung dafür ist hier der Untergrund: Der Kalksteinboden des Südkammes bietet ideale Bedingungen vor allem für die Buche. Auf dem nördlichen Kamm hingegen, der hier im Wesentlichen aus Sandstein besteht, gedeihen auch die schnellwüchsigen Fichten. Natürlicherweise würde sich wohl auch hier die Buche durchsetzen, aber da sich die Forstwirtschaft am Markt orientiert, sorgt sie dafür, dass das gefragtere Nadelgehölz seinen Raum behält.

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